Interview: “Gelebte Unternehmensphilosophie bei Lenzing”

CO2-Ausweis und Klimaschutzmaßnahmen stehen bei vielen Papierunternehmen ganz oben auf der Agenda. Die Redaktion des neuen Informationsportals Fibers in Process des Wochenblatt für Papierfabrikation – der Fachzeitschrift für die Papier- und Zellstoffindustrie – sprach mit Dipl. Ing. Ernst Brunbauer, geschäftsführender Gesellschafter der Lenzing Papier GmbH, darüber, warum das Thema Klimaschutz für Lenzing so wichtig ist. Das Interview ist zuerst auf Fibers in Process sowie im Wochenblatt für Papierfabrikation, Ausgabe 5/Seite 274, erschienen.

Die Lenzing Papier GmbH hat sich auf Recycling-, Plakat- und Briefumschlagpapier spezialisiert. Das innovative Traditionsunternehmen mit Sitz in Lenzing in Österreich verfügt über modernste Fertigungsanlagen und setzt sich mit Leidenschaft für umweltschonende Produktionsmethoden und umfassende Kundenorientierung ein. Als erster Hersteller in Österreich hat Lenzing im Jahr 2008 klimaneutral erzeugtes Papier, das zu 100 Prozent aus recycelten Altpapierfasern besteht, am Markt angeboten. 

 

Ernst_Brunbauer

 

Dipl. Ing. Ernst Brunbauer ist seit dem Jahr 2008
geschäftsführender Gesellschafter der Lenzing Papier GmbH.
Nach seinem Abschluss in Verfahrenstechnik an der TU Graz
in der Fachrichtung Papier- und Zellstofftechnik arbeitete der
als Unternehmensberater sowie in verschiedenen
Führungsfunktionen in der Papierindustrie. Unter anderem
war Ernst Brunbauer Vorstand und COO der Trierenberg Holding
(heute Delfort und Trierenberg Holding) bis zum Jahr 2005.
Er ist verheiratet und hat 3 Kinder und 3 Enkelkinder.
In seiner Freizeit geht er gerne Bergsteigen und auf Schitouren.
Sie erreichen Ihn unter e.brunbauer@lenzingpapier.com.

 

 

Fibers in Process: Herr Dipl. Ing. Brunbauer, warum engagiert sich Lenzing im Klimaschutz?

Ernst Brunbauer: Die Bemühungen um den Umweltschutz im Allgemeinen sowie den Klimaschutz im Besonderen, sind gelebte Unternehmensphilosophie bei Lenzing. Die Reduktion von Emissionen in Wasser und insbesondere in die Luft ist auch ein Ergebnis der besonderen Lage unseres Unternehmens in einem touristischen Umfeld. Ich würde sagen, wir nehmen eine Vorreiterrolle ein bei der Herstellung von Spezialpapieren nach umweltfreundlichen Methoden und Prozessen. Durch die Einbettung der Papierfabrik in die Energieanlagen der Zellstofffabrik der Lenzing AG ergibt sich ein Anteil an biogenen Brennstoffen von rund 87 Prozent mit entsprechend geringen klimawirksamen CO2-Emissionen. Die Integration der Deinkinganlage versetzt uns in die Lage, die gereinigten Fasern ohne Zwischentrocknung direkt an die Papiermaschine zu pumpen. Konsequente Energieprogramme haben in den vergangenen Jahren zu sinkenden Energieverbräuchen, und analog dazu, zu weiteren Emissionseinsparungen geführt. Davon profitieren unsere Kunden.

Fibers in Process: Sie haben mit Impact bereits 2008 ein klimaneutrales Papier auf den Markt gebracht. Welchen Mehrwert erhält der Kunde durch ein klimaneutrales Papier?

Ernst Brunbauer: Der ganz entscheidende Punkt ist, unsere Kunden können mit Hilfe unserer klimaneutral erzeugten Low-Emission-Papiere Wettbewerbsvorteile durch die geringen Umweltauswirkungen der Produkte generieren. Ein Beispiel: Die meisten unserer Kunden, die klimaneutrales Papier nachfragen, sind zumeist ihrerseits im Umweltschutz engagiert und verbessern ihre Umweltbilanz durch klimaneutral hergestellte Druckprodukte. Wir verstehen uns als Partner für unsere Kunden im Klimaschutz, das ist der Mehrwert. Wir möchten unseren Kunden helfen, ehrliche und glaubwürdige Maßnahmen für ihre Umweltprogramme setzen zu können.

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Das innovative Traditionsunternehmen mit Sitz in Lenzing in Österreich verfügt über modernste Fertigungsanlagen und setzt sich mit Leidenschaft für umweltschonende Produktionsmethoden und umfassende Kundenorientierung ein.

 

Fibers in Process: In welchem Bereich werden Ihre klimaneutralen Papiere eingesetzt?

Ernst Brunbauer: Das Impact zum Beispiel ist speziell für repräsentative Anwendungen wie etwa Nachhaltigkeitsprojekte oder Geschäftsberichte gedacht und unterstreicht die jeweilige Umweltbotschaft eines Unternehmens. Wir bieten mittlerweile eine breite Palette an klimaneutralen Papieren an, die von Büropapieren über Offset- und Digitaldruckpapiere bis hin zu gestrichenen Plakatpapieren reicht. Das Gros der Papiere wird im klassischen Offsetdruck verarbeitet. Zahlreiche Druckereien haben bereits Umwelt- und Klimaschutzprogramme etabliert und sind von den geringen Emissionen unserer Produkte überzeugt. Unter anderem werden die bekannten Schulhefte von Formatwerk auch mit unserem klimaneutralen Papier produziert.

 

25. Feb. 2014 Foto Download 102
Papiermaschinen der Lenzing Papier GmbH setzen auf umweltschonende Produktionsmethoden

Fibers in Process: Auch für Papierhersteller lautet das Credo im Klimaschutz Messen, Reduzieren und restliche Emissionen Ausgleichen. Wie sind Sie genau vorgegangen?

Ernst Brunbauer: Die CO2-Bilanz ist immer der erste Schritt im Klimaschutz. Dieser Carbon Footprint beinhaltet den Transport der Rohstoffe, die Papiererzeugung sowie die zusätzlichen Emissionen der Papierfabrik am Standort Lenzing. Für uns war es sehr spannend, die Klimabilanzen für unsere Produkte zu erstellen und die Einflussgrößen der einzelnen Prozessschritte auf die CO2-Bilanz zu analysieren. Dadurch wurden wir in die Lage versetzt, sehr gezielte Reduktionsmaßnahmen zu planen und umzusetzen. Bestimmte Rohstoffe können abhängig von ihrem Herstellungsprozess, sowie deren Aufbereitung deutliche Unterschiede zeigen. Transportmittel und -wege konnten optimiert werden. Durch den Einsatz von Prozesssimulationstools können energetische Schwachstellen identifiziert werden und schrittweise beseitigt werden. Die verbliebenen Emissionen werden schließlich in derselben Menge über die Unterstützung von zertifizierten Klimaschutzprojekten ausgeglichen, um eine neutrale CO2-Bilanz zu erzielen.

Mehr Information über Lenzing finden Sie auf der Website www.lenzingpapier.com.

 

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