Interview: “Es profitieren unsere Kunden und die Umwelt”

Erfolgsgeschichten im Klimaschutz Teil 2 – die Redaktion des neuen Informationsportals Fibers in Process des Wochenblatt für Papierfabrikation – der Fachzeitschrift für die Papier- und Zellstoffindustrie – spricht heute mit Kai Fischer, Vertriebsdirektor Magazinpapiere bei der LEIPA Georg Leinfelder GmbH, über das Thema Klimaschutz. Das Interview ist zuerst auf Fibers in Process sowie im Wochenblatt für Papierfabrikation, Ausgabe 6 auf Seite 378-379, erschienen.

Die LEIPA Georg Leinfelder GmbH ist eine Unternehmensgruppe mit Fokus auf die Papierherstellung. Das Unternehmen ist die deutsche Traditionsmarke für Recyclingpapier sowie Weltmarktführer für Light Weight Coated-Papier auf 100% Altpapierbasis. Die Grundlage der Geschäftsfelder Papier und Verpackungen sind nachhaltige und umweltschonende Produktionsprozesse an den zwei Standorten Schrobenhausen und Schwedt. Das Thema Nachhaltigkeit spielt beim Familienunternehmen mit seiner über 165-jährigen Geschichte und der mittlerweile sechsten Inhabergeneration eine große Rolle. Das Credo: Die Verbindung von ökologischer Sorgfalt und ökonomischem Erfolg. Klimaschutz ist also längst auch ein betriebswirtschaftliches Thema – wir haben nachgefragt.

 

Kai Fischer ist seit 2011 Director Sales Magazine Paper bei LEIPA und verfügt über mehr als zwanzig Jahre internationale Vertriebserfahrung aus den verschiedenen Papier-, Karton- und Verpackungspapiersorten.
Kai Fischer ist seit 2011 Director Sales Magazine Paper bei LEIPA und verfügt über mehr als zwanzig Jahre internationale Vertriebserfahrung aus den verschiedenen Papier-, Karton- und Verpackungspapiersorten.

Fibers in Process: Herr Fischer, der LEIPA Erfolgsfaktor ist der Rohstoff Altpapier. Kann man sagen, es profitieren Kunden und Umwelt gleichermaßen?

Diese Antwort fällt eindeutig aus. Ein klares Ja – es profitieren unsere Kunden und die Umwelt. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zum einen erhalten die Kunden von Leipa zahlreiche hochwertige Qualitätsprodukte, welche die marktüblichen Papierspezifikationen einhalten teilweise sogar übertreffen. So verfügen zum Beispiel Opazität und Druckglanz der Papiere über Eigenschaften, die sich von anderen ähnlichen Papieren deutlich positiv abheben. Auch die Laufeigenschaften – vor allem an den neuen großen Offset-Druckmaschinen – sind für die Druckereien ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das die Leipa Magazinpapiere erfüllen. Durch den Blauen Engel können wir unseren Kunden zudem ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal in puncto Umwelt mitgeben. Und das ohne einen preislichen Aufschlag.

Aber es profitiert eben auch die Umwelt durch den Wiedereinsatz von Frischfaserpapieren. Es ist ja bekannt, die ganze deutsche Papierindustrie hat hier bereits eine führende Rolle übernommen. Mittlerweile werden circa 80 Prozent aller produzierten Papiere wieder aufbereitet und in den verschiedensten Papier- und Verpackungssegmenten neu aufbereitet und wieder in den Markt zurückgebracht. Beispiel Leipa: In Schwedt werden für alle Papiermaschinen rund 2 000 Tonnen Faserstoff pro Tag aufbereitet und für unsere Qualitätsprodukte wie UltraMag oder UltraMag Plus wieder verwendet.
Es ist aber nicht nur der Einsatz von Altpapier, mit welchem Leipa aktiv am Umweltschutz mitarbeitet. Seit dem Jahr 2011 wird am Standort Schwedt durch ein Kraftwerk für Ersatzbrennstoffe der größte Teil des eigenen Energiebedarfs selber erzeugt. Auch das bedeutet einen positiven Einfluss auf unsere CO2-Bilanz am Standort und für unsere Produkte.

Fibers in Process: Seit mehreren Jahren widmen Sie sich der Erstellung und dem Ausweis von Carbon Footprints Ihrer grafischen Papiere gemäß dem CEPI Rahmenwerk („Ten Toes“). Was war der Grund und welche Einflüsse können Sie verbuchen?

Mehrere Faktoren spielten hier eine wichtige Rolle. Neben der ökologischen Verantwortung des Unternehmens Leipa sind zusätzliche förderliche Einflüsse und Effekte nach der ersten Realisierung der CO2-Bilanz zu spüren. Unser Fokus war eine Bestandsaufnahme und das Aufspüren von weiteren Kosteneinsparungen im Energiebereich. Engagierte und gut ausgebildete Mitarbeiter, der Einsatz neuer Technologien haben in Schwedt dazu geführt, dass sich die CO2-Bilanz des Unternehmens kontinuierlich verbessert hat. Auch hatten diese Faktoren einen positiven Einfluss auf die Product Carbon Footprints, die produktspezifischen CO2-Bilanzen also, der Leipa Papiere in Schwedt.
Ein im Jahr 2012 aufgebautes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 war dann die logische Weiterentwicklung. Durch detaillierte Erfassung der Energieflüsse im Unternehmen, ist die Grundlage für viele Maßnahmen zur Effizienzverbesserung geschaffen. Und davon profitieren neben der Umwelt auch das Unternehmen Leipa selbst und natürlich unsere Kunden durch unsere gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit.

 

Fabrik
LEIPA Georg Leinfelder GmbH ist die deutsche Traditionsmarke für Recyclingpapier sowie Weltmarktführer für Light Weight Coated-Papier auf 100% Altpapierbasis.

 

Fibers in Process: Wie läuft die Erstellung eines solchen Product Carbon Footprint (PCF) genau ab? Welche Rolle spielen externe Überprüfungen?

Grundlage für die Bilanzierung von Carbon Footprints ist das akzeptierte Rahmenwerk von CEPI, eben die so genannten “CEPI Ten Toes”. Diese “zehn Zehen” definieren die Systemgrenzen. Der Schwerpunkt unserer Product Carbon Footprints liegt dabei auf den Schritten drei bis sieben, also den fossilen CO2-Emissionen. Auch berücksichtigen wir hierbei die CO2-Emissionen der Ausgangslogistik und weisen sie unseren Kunden aus. Die Carbon Footprints lassen wir jährlich durch die Klimaschutzberatung ClimatePartner verifizieren. Solche externe Überprüfungen stellen sicher, dass die Berechnungen durch Dritte nachvollziehbar, vollständig und konform realisiert sind. Im Sinne einer ganzheitlichen Qualitätssicherung lässt Leipa seine Berechnungen extern verifizieren, um 100 Prozent sicher zu gehen.

Fibers in Process: Welche weiteren Maßnahmen zur Verbesserung Ihrer Carbon Footprints verfolgen Sie?

Kai Fischer: Unsere Energieeffizienzmaßnahmen sind zum einem über ein betriebliches Vorschlagswesen für unsere engagierten Mitarbeiter und einem integrierten kontinuierlichen Verbesserungsprozess aufgebaut. Das betriebliche Vorschlagswesen ist eine Plattform für Kreativität und Ideen und damit auch entscheidend für unsere Innovationsfähigkeit. Neue Vorschläge und Anregungen werden zügig bearbeitet und auf möglichst „kurzem“ Dienstweg entschieden. Ebenso wichtig und ergiebig sind kontinuierliche Verbesserungsprozesse.
Weitere Energieeffizienzmaßnahmen können sein: Investitionen in neue und effiziente Technologien an den Papiermaschinen oder im EBS-Kraftwerk, eine Einengung der Wasserkreisläufe, Einrichtung von Frequenzumrichtern, Druckabsenkung oder LED als Leuchtmittel. Grundsätzlich fußt unsere Umweltstrategie auf den Handlungsfeldern Altpapier, Wasser, Energie und Emissionen und wir sind in allen Feldern sehr aktiv. So verlassen 80 Prozent der Produkte unsere Werke auf der Schiene.

Fibers in ProcessWie geht es bei LEIPA beim Thema CO2-Reduktion weiter? Was sind die Trends?

Kai Fischer: Die Leipa stellt sich den Herausforderungen aus beiden Bereichen – Umwelt und Kunden in den verschiedenen Marktsegmenten. Dazu kommt, dass die Papierindustrie sich dem Projekt des europäischen Papierverbands CEPI „ROAD to 2050“ stellt. Im Zuge dessen sind CO2-Reduktion und Energieeffizienz Schlüsselthemen bei Leipa – aber auch bei anderen Marktteilnehmern. Aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen hat sich bereits in den vergangenen Jahren sehr viel getan bei Leipa. Ein Credo lautet: Die Verbindung von ökologischer Sorgfalt und ökonomischem Erfolg. Allerdings stehen wir vor großen Herausforderungen. Denn weitere Effizienzsteigerungen sind nur mit immer größerem Aufwand möglich. Nur profitable Unternehmen sind in der Lage, die für signifikante Energieeffizienzsteigerungen notwendige Entwicklung neuer Technologien vorzufinanzieren. Selbst auf verfügbare Technologien beruhende Verbesserungen sind kostenintensiv und stellen hohe Anforderungen an das Unternehmen. Dazu kommt eine mögliche zusätzliche Belastung für Papierhersteller aus der EEG-Umlage. Was wir aber benötigen sind entsprechende rechtliche und politische Rahmenbedingungen, die das Engagement der Unternehmen im Klimaschutz fördern. Das wäre wichtig für die ganze Branche und für Leipa, damit die Verbindung des  ökonomischen mit dem ökologischen Nutzen als Erfolgsmodell bestehen bleibt.

 

Mehr Information über Lenzing finden Sie auf der Website unter www.leipa.de.

 

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