Interview: Upgrade für Waldprojekte

Neuerungen auf dem internationalen Markt für CO2-Zertifikate: Im November 2013 verkündet der Gold Standard, die weltweit führende Organisation für die Zertifizierung von Klimaschutzprojekten, die Zusammenführung von CarbonFix und Gold Standard zum neuen Gold Standard 3.0. Darüber hinaus verfolgt die Gold Standard Foundation eine engere Zusammenarbeit mit dem führenden Standard für nachhaltige Forstwirtschaft Forest Stewardship Council (FSC) an, um mehr Transparenz auf dem Markt für CO2-Zertifikate aus Aufforstungsprojekten zu schaffen.

Dieses Aufforstungsprojekt ist seit November 2013 als eines der ersten Waldklimaprojekte weltweit nach dem neuen Gold Standard "Land Use and Forests" zertifiziert.
Dieses Aufforstungsprojekt ist seit November 2013 als eines der ersten Waldklimaprojekte weltweit nach dem neuen Gold Standard “Land Use and Forests” zertifiziert.

„Auf dem Markt für die Zertifizierung von Klimaschutzprojekten gibt es derzeit zu viele Standards. Mit der Zusammenfassung beider Standards zum neuen Gold Standard 3.0 gehen wir einen wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz und schaffen ein einheitliches Bewertungsschema“ so Moritz Vohrer, technischer Direktor für Landnutzung und Waldschutz bei Gold Standard. Im Interview erklärt Vohrer, welche Herausforderungen die Zusammenführung beider Standards mit sich brachte und was die Neuerung für die Kunden von ClimatePartner bedeuten.

ClimatePartner: Mit der Zusammenführung des Gold Standards und des CarbonFix Standards sind die ohnehin schon strikten Regeln des CarbonFix Standards um Kriterien des Gold Standards erweitert worden. Wie ging der Prozess von Statten?

Vohrer: Zu Beginn der Verhandlungen im Jahr 2012 war für beide NGOs schnell klar, dass eine Zusammenführung beider Standards zu mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit führen wird. Auf der technischen Ebene hat sich dahingegen schnell gezeigt, dass die Umsetzung mit Hindernissen verbunden sein kann. So war beispielsweise eine offene Frage, ob der Gold Standard, wie der CarbonFix, die FSC Zertifizierungen als Ersatz für die eigenen sozialen und ökologischen Leitlinien anerkennen wird.

ClimatePartner: Wie ging es dann weiter?

Vohrer: Nachdem von Herbst 2012 bis Herbst 2013 die ersten Waldkriterien für Gold Standard entwickelt wurden, konnten im November 2013, mit Novellierung des Standards, die neuen Waldregeln des Gold Standards mit den bestehenden CarbonFix Regeln verglichen werden. Hieraus entstand eine Liste von sogenannten „Gap Criteria“. Diese Kriterien mussten also von den CarbonFix Projekten erfüllt werden. So musste beispielsweise jedes Projekt eine offizielle Deklaration verabschieden, in der Stellung zum Thema Korruption genommen wird.

Auf etwa 30% der Gesamtfläche des Projektes werden wertvolle natürliche Lebensräume für einheimische Tier- und Pflanzenarten dauerhaft geschützt.
Auf etwa 30% der Gesamtfläche des Projektes werden wertvolle natürliche Lebensräume für einheimische Tier- und Pflanzenarten dauerhaft geschützt.

 

ClimatePartner: Inkludiert der Gold Standard für Waldschutzprojekte alle Anforderungen des CarbonFix Standards?

Vohrer: Projekte, die nach dem CarbonFix Standard zertifiziert sind, entsprechen nicht automatisch den Gold Standard Kriterien. Aber wir sind zuversichtlich, dass nach und nach CarbonFix Projekte dazu kommen werden, die den zusätzlichen „Gap Criteria“ entsprechen.

ClimatePartner: Welche Prüfkriterien des Gold Standards 3.0 könnten ein Hindernis für CarbonFix zertifizierte Aufforstungsprojekten darstellen? Was bedeutet das für die zukünftige Bewertung solcher Projekte?

Vohrer: Natürlich ändern sich die Anforderungen an Projekte, die bislang CarbonFix zertifiziert waren, in einem gewissen Rahmen. Ein Beispiel: Gold Standard Wald Projekte können derzeit keine Auditoren von ANSI nutzen, dies ist ein Akkreditierungsinstitut aus den USA. US oder Kanadische Projektentwickler, die ihre Projekte ursprünglich durch den CarbonFix Standard zertifizieren ließen, müssen daher auf die UN-akkreditierte Auditoren zurückgreifen. Trotzdem gehen wir davon aus, dass die praktische Arbeit, für die CarbonFix bekannt war, in Bezug auf Waldschutz- und Aufforstungsprojekte beibehalten werden kann, da viele Kriterien von Gold Standard übernommen wurden. Gleichzeitig soll auch die Kooperation mit FSC in den kommenden Jahren intensiviert werden.

ClimatePartner: Welche Rolle spielen Beratungsunternehmen, wie ClimatePartner, für Sie?

Vohrer: Wichtig ist, dass der Markt für Carbon Credits aus forstlichen Klimaschutzprojekten weiterhin stabil bleibt und

Beratungsunternehmen wie ClimatePartner darauf hinweisen, dass es auch unter den Gold Standard Zertifikaten Preisunterschiede gibt. Gold Standard Wald-Klima-Zertifikate mit ihren vielen ökologischen und sozialen Leistungen haben einen höheren Preis als andere. Kunden von ClimatePartner, die bisher Zertifikate von Projekten besitzen, die den CarbonFix-Prozess erfolgreich durchlaufen haben, können damit rechnen, dass ihr Wahlprojekt kurzfristig mit dem Gold Standard ausgezeichnet wird.

ClimatePartner: Wie viele mit dem CarbonFix Standard zertifizierte Projekte sind bis jetzt zu Gold Standard Projekten geworden? Und wie viele erwarten Sie in der kommenden Zeit?

Vohrer: Bisher wurden fünf von 13 CarbonFix Projekten nach dem Gold Standard zertifiziert. Anfang 2014 werden wahrscheinlich noch zwei weitere hinzukommen. Der CarbonFix Standard freute sich, von der ersten Bundesliga in die Champions League aufzusteigen – und Gold Standard freute sich nach 10 Jahren das Portfolio mit dem Waldbereich zu komplettieren. Eines der ersten Projekte, die mit dem neuen Gold Standard 3.0 zertifiziert wurden, ist das Aufforstungsprojekt San Rafael de Pocosol auf Costa Rica, wo auf rund 134 ha Fläche Mischbestände und Teak wieder aufgeforstet wurden. Neben dem Erhalt der biologischen Vielfalt und dem Schutz vor Bodenerosion schafft das Projekt langfristig Arbeitsplätze in der ländlich geprägten Region und gibt Kleinbauern die Möglichkeit zwischen den Baumbeständen Nutzpflanzen anzubauen.

Mehr Information über das Aufforstungsprojekt finden Sie unter diesem Link.

 

Durch das Projekt sind 44 langfristige und sichere Arbeitsplätze in Costa Rica entstanden.
Durch das Projekt sind 44 langfristige und sichere Arbeitsplätze in Costa Rica entstanden.

 

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